Angehörigenprojekt ETAPPE

Hintergrund

Für Angehörige problematischer und pathologischer Glücksspieler entsteht durch die Erkrankung des Familienmitglieds eine hohe Belastung. Sie leiden in ähnlicher Weise unter den Auswirkungen der Erkrankung wie Angehörige Substanzabhängiger. Nach einer Schätzung von Lesieur & Custer (1984) sind pro Spieler zwischen 10-15 Angehörige betroffen und leiden unter den negativen sozialen, emotionalen und finanziellen Auswirkungen der Erkrankung (Buchner et al., 2012; Hodgins et al., 2007). Sie stellen somit eine zentrale Zielgruppe für das Hilfesystem dar. Eine adäquate Unterstützung könnte einen Beitrag zur Gesundheitsförderung der Angehörigen leisten und zugleich eine positive Auswirkung auf die Behandlung der betroffenen Spieler haben.

 

Daher hat die BAS mit dem Praxisforschungsprojekt Entlastungstraining für Angehörige problematischer und pathologischer Glücksspieler – psychoedukativ (ETAPPE)“ ein entsprechendes Gruppenangebot entwickelt: In insgesamt acht Bausteinen erhalten Angehörige Informationen zu Themen, die Studien zufolge Angehörige besonders belasten, wie der Einfluss von pathologischem Glücksspielen auf die Partnerschaft inklusive Vertrauensverlust und Lügen, Verantwortungsübernahme, Schuld und negative Selbstzuschreibungen, finanzielle Einbußen sowie soziale Isolation (Dickson-Swift et al., 2005). Zudem wurde der Einfluss auf die eigene Gesundheit der Angehörigen thematisiert. Weitere Inhalten waren Basiswissen zum Krankheitsbild PG, Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten für Betroffene und Angehörige sowie rechtliche Themen. Zudem konnten Angehörige unter Anleitung eines Mitarbeiters der Suchtberatungsstelle mit anderen Betroffenen über ihren Umgang mit der Glücksspielsucht und persönliche Probleme sprechen.

 

Übergeordnetes Ziel des Entlastungstrainings ist eine Reduktion der Belastetheit durch die Vermittlung von Informationen sowie die Förderung individueller Bewältigungsfähigkeiten.

 

Praxistest

Gemeinsam mit sechs Pilotstandorten wurde ETAPPE von Herbst 2010 bis Sommer 2011 in der Praxis getestet. In dieser Phase fand eine kontinuierliche begleitende Befragung statt, die in die Überarbeitung der Bausteine und die Erstellung des Manuals einfloss. Das Manual wird den Beratungsstellen zur Verfügung gestellt und soll diese bei der Angehörigenarbeit unterstützen.

 

Ergebnisse

Es zeigt sich, dass bei den betroffenen Angehörigen der Bedarf an spezifischen Hilfsangeboten besteht. Die in ETAPPE aufgegriffenen Themen decken sich mit den von den Angehörigen als besonders belastend erlebten Themen. Die Belastetheit durch das pathologische Glücksspielverhalten nimmt durch die Teilnahme an ETAPPE signifikant ab. In der Katamneseerhebung zeigt sich, dass die durch ETAPPE erreichte Reduktion der Belastetheit bestehen bleibt und der chronische Stress sich weiter reduzieren lässt. Daher lohnt es sich, diesen Ansatz zur Versorgung Angehöriger problematischer und pathologischer Glücksspieler weiter zu verfolgen.

 

Das Manual zu ETAPPE ist inzwischen unter dem Titel Angehörigenarbeit bei pathologischem Glücksspiel. Das psychoedukative Entlastungstraining ETAPPE im Hogrefe-Verlag (ISBN: 978-3-8017-2464-1) erschienen.

 

Ausblick
Aufgrund der bisherigen Ergebnisse wäre eine möglichst flächendeckende Versorgung der Angehörigen wünschenswert. Die Öffnet externen Link in neuem Fensternächste Multiplikatorenschulung, in der professionelle Helfer und Beratungsstellenmitarbeiter den Umgang mit dem manualisierten Training einüben können, findet am 23.03.2015 in München statt.
Weitere Informationen hierzu finden Sie in der Rubrik "Veranstaltungen".

 

Materialien
Beratungsstellen, die ETAPPE durchführen wollen, können ab sofort mit einem einheitlichen Flyer und Plakat für das Projekt werben. Flyer und Plakat werden für bayerische Beratungsstellen kostenfrei durch die BAS bereitgestellt.

Bei Interesse an den Materialien oder an der Durchführung einer ETAPPE-Gruppe wenden Sie sich bitte  an Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailE-Mail: bas@bas-muenchen.de.

 

Publikationen

Buchner UG (2016). Störung durch Glücksspielen. Entwicklung und Bewertung von Unterstützungsmöglichkeiten für Angehörige. University of Bamberg Press.
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Buchner UG, Koytek A, Arnold M, Gollrad T, Wodarz N (2013). Stabilisieren sich Entlastung und Stressreduktion nach der Teilnahme am psychoedukativen Training ETAPPE? Ergebnisse einer Drei-Monats-Katamnese der Pilotstudie. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 21(4): 167-176

Buchner UG, Koytek A, Gollrad T, Arnold M, Wodarz N (2013). Hilfen für Angehörige pathologischer Spieler – Praktikabilität des Entlastungstrainings ETAPPE. Rausch – Wiener Zeitschrift für Suchtforschung 2 (2): 128-133

Buchner UG, Koytek A, Gollrad T, Arnold M, Wodarz N (2013). Angehörigenarbeit bei pathologischem Glücksspiel. Das psychoedukative Entlastungstraining ETAPPE. Göttingen: Hogrefe

Buchner UG, Arnold M, Koytek A, Gollrad T, Wodarz N (2012). Nicht nur Spieler brauchen Hilfe – Ergebnisse einer Pilotstudie zum Angehörigenprojekt ETAPPE. Psychotherapie, Psychosomatik, Medizinische Psychologie 62(9/10): 383-389.

Buchner UG, Gollrad T, Wodarz N (2011). ETAPPE – Entlastungstraining für Angehörige pathologischer Glücksspieler. 2. Bayerischer Fachkongress Glücksspiel „Forschung trifft Praxis“, München, Juli 2011

Buchner UG, Gollrad T, Wodarz N (2011). Nicht nur Spieler brauchen Hilfe – erste Ergebnisse aus dem Angehörigenprojekt ETAPPE. 12. Interdisziplinärer Kongress für Suchtmedizin, München, Juli 2011 – ausgezeichnet mit dem 1. Posterpreis