Bayerische Akademie für
Sucht- und Gesundheitsfragen

Projekt Versorgungslage pathologischer Glücksspieler

Hintergrund
Pathologische Glücksspieler sind durch ihre Erkrankung schwer belastet und bedürfen daher dringend einer adäquaten Behandlung. Bislang ist allerdings nur wenig über Struktur und Inanspruchnahme des Versorgungssystems durch diese Klientel bekannt. Daher wurden anlässlich des 1. Bayerischen Fachkongresses mit Fachmesse „ambulant trifft stationär“ 2010 zum ersten Mal systematisch Informationen zur aktuellen Versorgungslage erfasst. Parallel dazu wurden Daten der Deutschen Rentenversicherung, des primären Kostenträgers für diese Klientel, ausgewertet.
Zielsetzung war, ein klares Bild über die Struktur des derzeitigen Behandlungssystems für pathologische Glücksspieler zu erhalten und dessen Inanspruchnahme sowie die Entwicklung der Behandlungszahlen zu erfassen. Zudem wurde eine Beurteilung des Hilfesystems durch Experten aus dem stationären Bereich durchgeführt und der Zugang zur stationären Behandlung erhoben.


Ergebnisse
Pathologische Glücksspieler/innen werden in Deutschland sowohl in Kliniken mit psychosomatischer Ausrichtung als auch in Suchtkliniken behandelt. Im Jahr 2011 wurden 2.220 pathologische Glücksspieler/innen stationär behandelt, das entspricht etwa 1 % aller Betroffenen. 90 % der PatientInnen waren männlich, 93 % hatten mindestens eine komorbide Störung. Der Zugang zur stationären Behandlung lief in den meisten Fällen über eine Suchtberatungsstelle. In Suchtkliniken wurden weniger Spieler pro Jahr behandelt (29,3 Spieler) als in psychosomatischen Kliniken (53,3 Spieler)  oder in Kliniken mit beiden Fachrichtungen (76,4 Spieler). Einige Kliniken sind auf die Behandlung pathologischen Glücksspielens spezialisiert und behandeln insgesamt mehr Spieler, weisen einen höheren Anteil von Spielern an allen Patienten auf und bieten spezifische Behandlungsprogramme an. Die Auswirkungen dieser Spezialisierung auf das Behandlungsergebnis wurden bislang aber noch nicht erfasst.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass – obwohl die Anzahl der betroffenen Glücksspieler, die professionelle Unterstützung suchen, in den vergangenen Jahren fortlaufend gestiegen ist – nach wie vor nur ein sehr geringer Anteil der Betroffenen professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Daher muss das Bewusstsein für die Erkrankung weiterhin gestärkt werden und der Zugang zur Hilfe verbessert werden.


Veröffentlichung der Ergebnisse

Posterpräsentationen: Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde in Berlin (November 2010), 12. Interdisziplinären Kongress für Suchtmedizin in München (Juli 2011), 2. Bayerischer Fachkongress Glücksspiel „Forschung trifft Praxis“ (Juli 2011)

Artikel: Buchner UG, Erbas B, Stürmer M, Arnold M, Wodarz N, Wolstein J (2013). Inpatient treatment for pathological gamblers in Germany – setting, utilization and structure. Journal of Gambling Studies, doi: 10.1007/s10899-013-9430-5

Hinweis: Das Projekt ist abgeschlossen.