Drogentodprävention
Drogentodesfälle häufen sich in besonderen Risikosituationen, wie beispielsweise nach der Entlassung aus Haft, Entzug und Therapie. Die verminderte Opiattoleranz nach längeren Konsumpausen ist hierfür ursächlich. Auch starke Schwankungen der Stoffqualität führen zu lebensbedrohlichen Situationen, die nur durch vorsichtiges Antesten der unbekannten Substanz vermieden werden können. Schließlich ist auch häufig unkritischer Mischkonsum beteiligt, wenn es zum Drogennotfall kommt.
Drogenbedingte Todesfälle in Bayern
Aktuelle Entwicklung in Bayern
Im Vergleich zum Vorjahr (259 Fälle) wurde für das Jahr 2024 ein Rückgang auf 214 Drogentodesfälle verzeichnet.
Häufigste ursächliche Substanzen waren:
-
Heroin: 54 Fälle
-
Kokain: 28 Fälle
-
Amphetamin: 23 Fälle
-
Fentanyl: 19 Fälle
-
Methamphetamin: 10 Fälle
-
Neue psychoaktive Substanzen (NpS): 12 Fälle
Bayern – Verlauf über mehrere Jahre
In Bayern zeigte sich über die Jahre hinweg ein wellenförmiger Verlauf der Drogentodesfälle:
-
2022: Insgesamt 288 Drogentodesfälle, häufigste Substanzen: Heroin und andere Opioide, allein oder in Kombination mit weiteren Drogen.
-
2023: 259 Drogentodesfälle insgesamt.
Fachleute führen die wellenförmige Entwicklung unter anderem auf folgende Faktoren zurück:
-
stark schwankende Wirkstoffgehalte der Drogen,
-
Verunreinigungen oder Beimischungen,
-
zunehmender Konsum Neuer psychoaktiver Substanzen (NpS) mit unbekannter Wirkstoffzusammensetzung.
Drogenbedingte Todesfälle in Deutschland
Deutschland – Gesamtlage 2024
Im Jahr 2024 wurden in Deutschland 2.137 drogenbedingte Todesfälle registriert – das sind rund 4 % weniger als im Vorjahr (2023: 2.227).
Trotz des leichten Rückgangs bleibt es der zweithöchste Wert seit Beginn der Erfassung.
Unter den Verstorbenen befanden sich 1.747 Männer (81,8 %) und 390 Frauen.
Das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren und ist damit stabil geblieben.
Auffällig ist der Anstieg bei unter 30-Jährigen um 14 %, während die Zahl der über 30-Jährigen um 8,6 % zurückging.
Einige zentrale Befunde:
-
Die meisten Todesfälle traten in Nordrhein-Westfalen (769), Berlin (294) und Bayern (214) auf.
-
Deutliche Zuwächse wurden in Sachsen (+ 40 %), Baden-Württemberg (+ 38 %) und Bremen (+ 30 %) verzeichnet.
-
Mischkonsum bleibt der häufigste Risikofaktor: Bei 1.707 Verstorbenen wurden mehrere Substanzen nachgewiesen – 15 % mehr als 2023.
-
Heroin/Morphin (712 Fälle) und Substitutionsmittel (665 Fälle) waren weiterhin häufig beteiligt.
-
Neue Psychoaktive Stoffe (NPS) führten zu 154 Todesfällen (2023: 90) – ein Anstieg um über 70 %.
-
Darunter erstmals 23 Todesfälle in Verbindung mit Lachgas.
-
Fentanyl-Vergiftungen nahmen ebenfalls zu (+ 36 %).
Von den 2.137 Verstorbenen wurden 1.155 obduziert, in 865 Fällen erfolgte eine toxikologische Untersuchung.
Deutschland – Entwicklung im Jahr 2023
Im Jahr 2023 hat das Bundeskriminalamt 2.227 drogenbedingte Todesfälle registriert – das sind 12 % mehr als im Vorjahr (2022: 1.990 Todesfälle).
Unter den Verstorbenen befanden sich 1.844 Männer und 383 Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 41 Jahren und ist damit weiter angestiegen.
Deutschland – Entwicklung im Jahr 2022
Schon im Jahr 2022 war die Zahl der Rauschgifttodesfälle auf 1.990 gestiegen (Männer: 1.648; Frauen: 342) – das fünfte Jahr in Folge mit einer Zunahme.
Harm reduction
Naloxon
Nachdem jeder dritte Opioidabhängige an einer Überdosierung stirbt und mit Naloxon ein wirksames Antidot zur Neutralisierung von Opioidwirkungen zur Verfügung steht, wurde 2017 im Bayerischen Landtag beschlossen, ein Modellprojekt zur Schulung opioidabhängiger Laien in der Anwendung von Naloxon durchzuführen. Das durch das StMGP geförderte Projekt „Take-Home-Naloxon/THN“ (2018-2021) ist abgeschlossen, wobei sich das Schulungskonzept als äußerst effektiv erwiesen hat.
Train-the-Trainer-Schulung für Fachkräfte aus bayerischen Beratungsstellen der Suchthilfe werden über das Bayerisches Zentrum für Prävention und Gesundheitsforderung (ZPG) im LGL angeboten. Terminanfragen bitte unter zpg@lgl.bayern.de
Auch über das bundesweite Projekt NALtrain werden Schulungen zum fachgerechten Umgang mit Naloxonsprays angeboten. Nähere Informationen liefert die Website https://www.naloxontraining.de/naltrain/
Angebote zum kontrollierten Konsum
Diese Hilfeansätze im Rahmen der zieloffenen Suchtarbeit richten sich an Personen, die ihren Konsum reduzieren wollen und nicht von abstinenzorientierten Programmen erreicht werden bzw., für die eine Abstinenz (noch) nicht vorstellbar ist. Beispiele dafür sind KISS (Kompetenz im selbstbestimmten Substanzkonsum) und KT (Kontrolliertes Trinken). Dabei handelt es sich um verhaltenstherapeutische Trainings mit dem Ziel, durch die Konsum-reduktion wieder eine bessere soziale Integration zu erreichen (Körkel J, 2021).
Drogenkonsumräume
Die Einrichtung und der Betrieb von Drogenkonsumräumen (DKR) verfolgte neben gesundheitlichen und suchttherapeutischen Zielen auch ordnungspolitische Anliegen, indem beispielsweise der öffentliche Raum in Innenstädten von szenetypischen Ansammlungen entlastet wird. Zu den gesundheitlichen Zielen zählen die Herstellung hygienischer Konsumbedingungen, die Überwachung der Konsumvorgänge sowie die Vermittlung von Safer-Use Maßnahmen. Durch die Nutzung eines DKR kann die Kontaktaufnahme des Hilfesystems mit ansonsten nur erreichbaren Personen gelingen, so dass diese ggf. in weiterführende Hilfen vermittelt werden können.
Aktuell gibt es in Deutschland 27 stationäre und 4 mobile Drogenkonsumräume in 17 Städten und 8 Bundesländern (Stand April 2023).
Drug Checking
Durch die Analyse der erworbenen Substanzen erhalten Konsumierende Kenntnis über deren Inhaltsstoffe, Wirkstoffkonzentrationen und evtl. enthaltenen Streckmitteln. Dies wird durch Hinweise zu individuellen Risikofaktoren wie beispielsweise fehlender Toleranz nach Abstinenzphasen, Dosierungsfragen und möglichen Harm Reduction-Strategien z.B. bezüglich Mischkonsum ergänzt. Dieses Wissen kann bei Konsumierenden zur Vermeidung tödlicher Überdosierungen beitragen.
Darüber hinaus haben Drugchecking-Angebote das Potenzial, Opioidkonsumierende zu erreichen, die bisher noch keinen Weg ins Hilfesystem gefunden haben. Zudem kann Drugchecking eine Brückenfunktion zu anderen Angeboten wie beispielsweise ausstiegsorientierten Hilfen bilden.


