Antistigma Initiativen zum Thema Sucht in Deutschland

Stigmatisierung im Kontext von Sucht erschwert Betroffenen den Zugang zu Unterstützung, beeinflusst gesellschaftliche Wahrnehmungen und kann sogar gesundheitliche Risiken verschärfen. Damit gelingende Hilfe nicht an Vorurteilen scheitert, engagieren sich zahlreiche Initiativen in Deutschland für mehr Verständnis, Teilhabe und menschenwürdige Unterstützung.

Im Folgenden finden Sie eine nicht vollständige Übersicht über bestehende Anti-Stigma-Angebote im Bereich Sucht.
Sollte Ihre Initiative oder Einrichtung hier fehlen, freuen wir uns über eine kurze Nachricht – wir ergänzen die Liste gerne.

AntiSTigma AST e.V.

Träger: Verein, gegründet von Suchtmediziner*innen; unterstützt durch Betroffene, Angehörige und öffentliche Persönlichkeiten
Website: antistigma.de

Kurzbeschreibung:
Eine gemeinnützige Organisation, die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen aktiv entgegenwirkt.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Aufklärung über Sucht als Erkrankung

  • Reduktion von Vorurteilen und diskriminierenden Strukturen

  • Öffentlicher Dialog mit und über Betroffene

Open Hearts - Open Minds

Träger: Zusammenschluss u. a. aus DG Sucht, DG SPS, DGSuchtmedizin, Bundesärztekammer, BPtK, DGPPN, DHS und der Deutschen Suchtstiftung
Website: entstigmatisierung.de

Kurzbeschreibung:
Eine bundesweite Initiative zentraler Fachgesellschaften und Verbände, die sich für eine differenzierte, wissenschaftlich fundierte und menschenwürdige Sicht auf Sucht einsetzt.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Bewusstsein für die gesellschaftlichen Folgen von Stigmatisierung schaffen

  • Sichtbarkeit von Menschen stärken, die ihre Abhängigkeitserkrankung überwunden haben

  • Sensibilisierung für Barrieren, die durch Stigma entstehen (z. B. ausbleibende Hilfesuche)

Programm „Das Stigma von Suchterkrankungen verstehen und überwinden“

Träger: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Kurzbeschreibung:
Ein Fachprogramm des BMG, das im Rahmen einer Klausurtagung Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis und Politik zusammenbrachte, um Ursachen und Folgen von Stigmatisierung systematisch zu analysieren.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Erarbeitung einer wissenschaftlich fundierten Agenda zur Entstigmatisierung

  • Veröffentlichung eines Memorandums mit Handlungsempfehlungen für Politik, Versorgung und Öffentlichkeit

„Es ist normal – verschieden zu sein“

Träger: Dachverband Gemeindepsychiatrie e. V.
Material: PDF-Dokument zu aktuellen Arbeitsformen der Anti-Stigma-Arbeit

Kurzbeschreibung:
Ein Konzept des Dachverbands, das Entstigmatisierung durch direkte Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten fördert.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Aufklärungsarbeit durch persönlichen Kontakt und Begegnung

  • Lokale Anti-Stigma-Projekte in Mitgliedsvereinen

Beispiele für Formate:

  • Wanderausstellungen

  • Film- und Kinoveranstaltungen

  • Schulprojekte und Sozialraumarbeit

„Drogensprache“ – Leitfaden und Aufklärungsinitiative

Träger: MyBrainMyChoice, Deutsche Aidshilfe, akzept Bundesverband, JES Bundesverband, Therapieverbund Ludwigsmühle, Fachverband Drogen- und Suchthilfe (fdr+)
Website: gegen-stigma.de

Kurzbeschreibung:
Eine Initiative, die für einen reflektierten, respektvollen Sprachgebrauch im Kontext von Sucht sensibilisiert und zeigt, wie Sprache Stigmatisierungsprozesse prägt.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Förderung einer entstigmatisierenden Sprache

  • Bewusstmachung der Wirkung stigmatisierender Begriffe

  • Unterstützung von Fachkräften, Medien und Öffentlichkeit durch Leitfäden und Bildungsangebote

Formate:

  • Leitfaden „Drogensprache“

  • Podcast-Angebote (z. B. „Leitfaden zum Hören“)

Recovery Walk Deutschland

Träger: Recovery Deutschland e. V.
Website: recoverydeutschland.org/recovery-walk

Kurzbeschreibung:
Öffentliche Walks, organisiert von Menschen mit eigener Suchtgeschichte, die Betroffene, Angehörige, Fachpersonen und Interessierte zusammenbringen. Recovery Walks feiern Genesung, fördern Vernetzung und setzen ein sichtbares Zeichen gegen Stigmatisierung.

Ziele/Schwerpunkte:

  • Stärkung einer lebendigen Recovery-Community

  • Sichtbarkeit von Genesung im öffentlichen Raum

  • Abbau von gesellschaftlichen Vorurteilen gegenüber Suchterkrankungen

Hintergrund:
Das Konzept stammt ursprünglich aus Schottland und wurde 2025 erstmals nach Deutschland übertragen.